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1. Definition:
Vier wesentliche und drei unterstützende Kriterien wurden für die Diagnose eines RLS aufgestellt. Sie beinhalten einen 1) Bewegungsdrang der Beine, meist begleitet durch ungewöhnliche und unangenehme Empfindungen in den Beinen, 2) eine Zunahme des Bewegungsdrangs und der unangenehmen Empfindungen in Phasen der Ruhe oder Inaktivität, 3) Verschwinden oder Abnahme beider Phänomene bei Bewegung, 4) Verstärkung des Bewegungsdrangs am Abend und in der Nacht verglichen mit dem Befinden am Tag, bzw. er erscheint nur am Abend oder in der Nacht. Im Jahr 2003 wurde zum ersten Mal eine positive Antwort auf die Behandlung mit dopaminerger Medikation mit in die assoziierten Muster aufgenommen. Weitere unterstützende Kriterien sind periodische Beinbewegungen und eine positive Familienanamnese.
Grundsätzlich wird das RLS als idiopathische Erkrankung betrachtet: symptomatische Formen wurden bei Eisenmangel, Schwangerschaft oder Urämie beschrieben. Differentialdiagnostisch sollte eine Akathisie (Unvermögen ruhig zu sitzen) bedacht werden. Diese wird hervorgerufen durch Neuroleptika, die dopaminerge Rezeptoren blockieren.
2. Pathophysiologische Überlegungen und schulmedizinische Behandlung:
Die Untersuchungen der letzten Jahrzehnte legen nahe, dass es sich bei dem RLS um eine Erkrankung des zentralen Nervensystems handelt. Verschiedene Hypothesen favorisieren unterschiedliche Strukturen, insbesondere werden subkortikale Strukturen wie der Thalamus, der Hirnstamm und das Rückenmark diskutiert. Die Tatsache, dass RLS im Zusammenhang mit Myelopathien und komplettem Querschnittssyndrom beobachtet wurde spricht sehr für eine Beteiligung des Rückenmarks. Hierfür sprechen auch spezielle Untersuchungen des H-Reflexes bei diesen Patienten. Ein Ferritinmangel scheint das Auftreten der Symptome zu begünstigen. Die gute therapeutische Antwort auf Dopamin legte die Vermutung nahe, dass sogenannte dopaminerge A11-Zellen aus dem Mittelhirn mit Projektionen zum Kortex, limbischen System und zum Rückenmark bei der Ausbildung der Symptomatik eine Rolle spielen. D2-Rezeptorblocker, wie die klassischen Neuroleptika, aber auch trizyklische Antidepressiva, verschlechtern die Symptomatik.
Schulmedizinisch ist die Therapie der ersten Wahl eine dopaminerge Medikation. Interessanterweise stellt sich unter einer Behandlung mit L-Dopa nach etwa 3 Monaten eine Veränderung der Beschwerden ein. Die Intensität der Beschwerden nimmt zu, sie treten zu einer früheren Tageszeit auf und breiten sich auf andere Körperpartien aus. Dieses Phänomen wird Augmentation genannt. Die Ursache dafür, die nur bei dopaminerger Medikation auftritt, ist nicht geklärt.
Die zirkadiane Rhythmik lässt sich sowohl bei elektrophysiologischen Untersuchungen bei Patienten mit periodischen Beinbewegungen im Schlaf als auch bei RLS-Patienten nachweisen. Die minimalste Aktivität liegt am Morgen vor, die höchste Aktivität herrscht um Mitternacht. Interessanterweise weisen auch die Schmerzwahrnehmung und die Eisenbindung eine diurnale Variation auf. Die Melatoninsekretion geht dem Anstieg der Symptomvermehrung voran. Es wird diskutiert, ob durch Melatonin die Wirkung von Dopamin antagonisiert wird.
Neben dopaminergen Substanzen sind auch Opiate und Gabapentin in der Behandlung des RLS wirksam. Unter Eiseninfusionen stellt sich eine signifikante, vorübergehende Besserung der Beschwerden ein.
3. Eigene Erfahrungen:
Das RLS lässt sich nach meinen Erfahrungen bisher ohne Ausnahme sehr erfolgreich homöopathisch behandeln (bisher 13-15 Patienten behandelt). Zur Therapie der Beschwerden selbst wird eine alkoholische Mixtur aus 2-3 unterschiedlichen homöopathischen Einzelbestandteilen eingesetzt. Einen Gewöhnungseffekt habe ich in 4 Jahren in keinem Fall beobachtet. Vielmehr ist es so, dass nach Monaten eine Dosisreduktion eingeleitetet werden kann. Neben dieser symptomatischen Basistherapie werden in jedem Fall ausleitende oder entgiftende Maßnahmen mit eingleitet. Diese können dietetischer Art sein z.B. die F.X. Mayr Diät, eine Teebehandlung oder entgiftende Maßnahmen mit Pflanzenextrakten beinhalten, z.B. von der Brennnessel, Quecke, Goldrute oder anderen Pflanzen. Meine Beobachtung tritt für sogenannte symptomatische und idiopathische Fälle zu.
4. Implikationen auf die Pathophysiologie:
Unter der Annahme einer subkortikalen, myelonalen Funktionsstörung bei RLS kann man nach meinen Erfahrungen davon ausgehen, dass es spezifische homöopathische Einzelsubstanzen gibt, die an diesen Strukturen wirken und zu einem raschen, anhaltenden, vollständigen Verschwinden der Symptome führen. Es ist nicht nur zu fordern, dass es eine Reizung bzw. fehlende Inhibition des motorischen Systems auf subkortiklaer oder myelonaler Ebene gibt, sondern, dass selbiges auch im afferenten sensiblen Schenkel besteht. Eine Reduktion der Medikation nach längerer entgiftender Behandlung deutet darauf hin, dass Stoffwechselprodukte des Menschen selbst, oder Toxine aus der Nahrung, bzw. von Erregern eine Rolle spielen.
5. Literatur:
Trenkwalder Claudia, Paulus W, Walters AS. The restless legs syndrome. Lancet Neurol 2005; 4:465-475 Winkelmann J, Trenkwalder C. Pathophysiologie des Restless – legs - Syndroms. Nervenarzt 2001;72:100-107
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